Give Peace a Chance

Nicht schon wieder das durchgekaute Thema „Frieden“. Das hängt uns schon aus den Ohren raus. Diese Aussagen könnten mir entgegen tönen. Doch mal ehrlich: Egal, wo wir hin hören oder hin schauen, prasseln die kommerziellen Bilder und Töne nur so auf uns ein: „Weil Sie es sich wert sind“, „Bigger.Better.Burger King“, „Life tastes good“, „Keiner schmeckt mir so wie dieser“, Für das Beste im Mann“, „Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso“ oder „Alles andere kann warten“. Uns wird eine friedvolle Welt präsentiert! Ohne Sorgen, ohne Angst, ohne Ungewissheit. Eine absolute Selbstverständlichkeit!

 

Dann schalten wir abends, geschafft von unserem konsumausgerichteten Alltag den Fernseher ein und werden mit einer anderen, für uns manchmal doch paradoxen Welt konfrontiert, die aber wahrlich der Realität entspricht! Und es sind gerade jene Momente, in denen es uns schwer fällt, die Bilder zu verarbeiten und angemessen einzuordnen. Soll man also bei solchen Bildern weggucken oder sie gar nicht in solch einem Ausmaße zeigen? Meine klare Meinung: MEHR DAVON! Zensur ist meiner Meinung nach ein No-Go. Der Mensch muss aus seiner Komfortzone geholt werden, um wieder einen klaren Blick auf die Geschehnisse in der Welt zu bekommen. Denn die ganzen Konflikte sind nicht einzig und allein die Angelegenheit der betroffenen Regionen. NEIN! Sie tangieren uns alle, jeden einzelnen von uns. Jetzt mag die Frage auftauchen: Wieso? Hier bei uns ist doch kein Krieg! Also ist doch alles in bester Ordnung. Wieso soll ich mich mit solchen Themen beschäftigen, wenn sie mich nicht am eigenen Leibe betreffen?

 

Meine Antwort: Weil jeder Mensch ein Recht auf ein friedvolles Leben hat, in dem er sich individuell voll entfalten kann. Wir sind alle gleich und dennoch verschieden. Und nicht zu vergessen, besitzen wir nur diesen einen Erdball, unseren Lebensraum, den es zu schützen und für die nachkommenden Generationen zu bewahren gilt! Es ist egal, welche Konvention wir haben oder welche Hautfarbe! Auch unterschiedliche Ansichten zu Themen dürfen, beziehungsweise müssen in unseren Gesellschaften ausgesprochen und vor allem aber respektiert werden. Schweigen ist keine Lösung! Denn nur durch Sprache können wir immer noch das Innerste unseres Seins mitteilen. Im Umkehrschluss soll das allerdings nicht heißen, dass durch Aussprechen von Meinungen zugleich abscheuliche Taten gerechtfertigt sind. Doch Sprache kann helfen zu vermitteln. Sei es zwischen dir und mir, innerhalb der Familie, zwischen Freunden oder zwischen Staaten, die teilweise verzweifelt versuchen eine Lösung zu finden, um das grausame Sterben in den Kriegsgebieten auf dem ganzen globalen Erdball zu minimieren. Es mag naiv klingen, dennoch bin ich mir bewusst, dass es aufgrund unterschiedlicher Interessenkonstellationen kontinuierlich Konflikte geben wird. Doch wir müssen uns wieder vermehrt mit den Gründen und Ursachen sowie einer Lösungsfindung auseinandersetzen! Insbesondere die Vergangenheit hat uns doch gelehrt, was derartige Absichten anrichten können! Müssen solche Fehler immerzu wiederholt werden? Ist es am Ende letztlich gar nicht anders möglich, Ruhe und Ordnung in ein Land oder eine Region zu bringen? Können verhärtete Fronten doch noch aufgeweicht werden und Wege zu diplomatischen Gesprächen geebnet werden? Das alles sind Fragen, die mich beim Lesen und Sehen der Nachrichten beschäftigen. Eine Antwort darauf ist schwierig und eine konkrete Lösung wird es so schnell nicht geben.

 

Nichtsdestotrotz darf eines nicht aufhören: die Kommunikation.

Wie heißt es doch bei Watzlawick: "Man kann nicht nicht kommunizieren!" Und das stimmt! Jede Mimik, jede Bewegung oder aber jedes Bild ist Träger von Sprache und kann kommunizieren, nur eben stumm. Manchmal sagen Bilder ja bekanntlich mehr als tausend Worte. Gerade deshalb sehe ich es als unermesslich wertvoll an, dass Reporter unter Einsatz ihres Lebens in Kriegsgebiete reisen und uns Bilder der echten, unverfälschten, unzensierten Geschehnisse vor Ort liefern! So bewundere ich eben jene, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, einen Teil zur wahrheitsgetreuen Abbildung unserer komplexen Welt beizusteuern. Fasziniert verfolge ich seit Jahren die Arbeiten des deutschen Fotographen Carsten Stormer auch vom amerikanischen Reporter James Nachtwey, der bereits zahlreiche Aufnahmen getreu seiner Maxime "I have been a witness, and these pictures are my testimony. The events I have recorded should not be forgotten and must be not repeated". uns zugänglich gemacht hat. Seine Bilder sind teils schockierend, aber bilden die Realität ab. Sie bewirken etwas in uns. Und wir müssen darauf reagieren. Doch wie? Wir müssen hinsehen! Sehen, um zu verstehen. Verstehen, um zu hinterfragen. Hinterfragen, um Lösungsansätze zu entwickeln. Mit dem Ziel, dem Frieden eine Chance zu geben.

 

Und so erklingt weiterhin John Lennons Song Give Peace a chance in meinen vier Wänden, in Gedanken an alle Opfer und kriegsbetroffenen Menschen auf unserer Welt, die in unserem hektischen Alltag untergehen. Wir müssen uns an unsere eigene Nase fassen und beginnen, nach Wissen zu streben, uns mit den komplexen Geschehnissen auseinanderzusetzen und versuchen eine Balance zwischen der kommerziellen und der realen Welt zu finden. Und wir müssen miteinander kommunizieren! Friedlich und respektvoll miteinander! Es liegt an uns, an jedem einzelnen, seinen Beitrag für eine friedvollere Welt zu leisten. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Give Peace a chance!

 

Kommentar: In diesem Blogpost handelt es sich um meine persönliche Ansicht!                                                      (L.)

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