Goldiger Herbst

Die Sonne strahlt sanft auf mein Gesicht während ich am Schreibtisch sitze und arbeite. Mir kommt kurz der Gedanke, aufzustehen und den Sonnenschutz herunterzulassen. Doch Moment! Wieso die Sonne aussperren, wenn sie in ein paar wenigen Wochen kaum noch die Kraft hat über die Hausspitze des Nachbarhauses zu gelangen. Also lass ich mich doch lieber von der Sonne blenden und genieße die sanfte Wärme auf meiner Haut. Vielleicht sollte ich meine Pause draußen verbringen und nicht drinnen, fest verschmolzen mit meinem Handy, das auch mit Bildern auf den sozialen Netzwerken gefüttert werden will. Muss man immer und vor allem non-stop funktionieren? Meine Antwort lautet: NEIN!

 

Also beschließe ich ohne Handy eine kleine Runde draußen in der Sonne spazieren zu gehen. Schon beim Heraustreten aus der Haustür empfangen mich die Vögel mit Gesang und ich setze zum Schutz der Augen meine Sonnenbrille auf. Kurz überlege ich, welche Runde ich gehen soll, entschließe mich dann aber für eine spontane Wegführung. Der Weg ist das Ziel hat damals schon Konfuzius gesagt und wie sollte es auch anders sein: er hatte Recht! Auf geht’s! Vorbei an zahlreichen Häuserfronten, stets in Begleitung von vogelhafter musikalischer Untermalung. Wenn man ganz genau hinhört, kann man sogar eine Melodie erkennen. Ich bin erstaunt wie schnell all die zuvor stressigen Gedanken im Nu verfliegen und genieße diesen Augenblick. Zehn Minuten später stehe ich im Hofgarten meiner Universität, die zu dieser Jahreszeit noch ein florales Highlight ist. Denn anstatt karger Beete haben sich die Gärtner kurz vor Einzug des Winters und der massenweisen Laubhaufen nochmal ins Zeug gelegt und die Beete dort herbstlich zurecht gemacht. Ich nehme einen kurzen Moment auf der Parkbank Platz und genieße diese bunte blumige Aussicht. Gedanklich mache ich Snapshots und speichere sie ab, um sie dann im Winter hervorzuholen. Ich setze meinen Spaziergang fort und sammle verstohlen die ein oder andere Kastanie ein, die vom Baum gefallen ist und nur darauf wartet, eingesammelt zu werden. Egal ob von Kinder-oder Erwachsenenhand. ;)

 

Und schon im nächsten Moment entschwinde ich bei Berührung der weichen glatten Kastanien ins Reich der Erinnerungen meiner Kindheit.Im Herbst bin ich öfters mit meinen zwei Geschwistern und meinen Eltern losgezogen, um – gezielt – auf Kastaniensuche zu gehen, denn damals wurden mit der erfolgreichen Ausbeute Igel oder gar Kastanienketten hergestellt. Die kennt Ihr doch bestimmt, nicht wahr?;) Mit einem leichten Schmunzeln verschlägt mich mein Weg in die Innenstadt. Auch wenn die Sonne noch Kraft hat, beschließe ich mir für den Heimweg einen Latte Macchiato to go zu holen. Im Coffeeshop werde ich freundlich empfangen und auf meine Kastanien angesprochen, die ich noch in meiner Hand halte. Ohne direkt nachgefragt zu haben, erzählt mir die Bedienung – sie muss etwas im gleichen Alter wie ich sein – dass auch sie damals als Kind durch das Laub gestapft ist, um ihr Körbchen mit ausreichend Kastanien zu füllen. Und eine ältere Dame im Café schaltet sich ebenfalls in unsere Unterhaltung ein. Sie schwärmt davon, wie sie mit ihren Enkelkindern im Akkord Kastanien-Igel und Ketten hergestellt hat. Dass man dabei die ein oder andere Blessur beim Durchlöchern der Kastanien von sich getragen hat und sich eine kleine Narbe fortan an dieser Stelle befindet – die sie uns ungeniert zeigt – wiegelt letztlich laut ihr die Tatsache ab, dass ihre Enkel glücklich sind und sich an den Schätzen der Natur erfreuen. Einfach goldig.

 

Und da spüre ich es wieder, in ihren Worten und in unserem gegenseitigen Lächeln und teilen der erlebten Momente: Dankbarkeit. Dankbarkeit für die kleinen und vor allem kostbaren, immateriellen Dinge im Leben, die wir in unserer heutigen, hektischen Welt nicht mehr genug achten und wahrnehmen. Gerade deshalb sind kleine Auszeiten und neues Kräftesammeln so besonders und auch wichtig. Für ein inneres und harmonisches Gleichgewicht. Man muss nicht immer und für jeden funktionieren. Am Ende ist man für sich selbst verantwortlich und muss sich selbst für seine Taten rechtfertigen. Ich stehe für meine kleine, erfahrungsreiche Auszeit ein und bin dankbar über eine Stunde meiner sonst doch kostbaren Zeit, die ich mit anderen Menschen teilen konnte und mir gezeigt hat, dass es die kostbaren Momente sind, die einen beflügeln und reicher machen. Jetzt seid Ihr dran!

Wir wünschen Euch einen Goldenen Herbst! Mit vielen Sonnenstrahlen, zahlreichen Herbstspaziergängen, kleinen Auszeiten, einer reichen Kastanienausbeute und ganz viel Herzlachen!                                                                                       (L.)

 

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